Jakob Michael Reinhold Lenz, verkannter Schriftsteller und Zeitgenosse von Goethe, kehrt psychisch schwerkrank im Juli 1779 nach 11 Jahren in seine Heimat Riga zu seinem Vater zurück. Er ist am Ende und bittet ihn um Hilfe. Sein Vater hat sich aber längst von ihm gelöst, ist gerade dabei neu zu heiraten und will nicht mit ihm reden. Lenz beginnt zu monologisieren.
Diesen Monolog konnte man gestern Live im Palmenhaus verfolgen, musikalisch begleitet vom einem Cello.
Gleich vorweg. Ich fand den Abend genial obwohl ich nicht erwartet hatte, dass mich 80 Minuten Monolog so mitreißen können. Bernd Wengert hat den paranoid schizophrenen Lenz sehr authentisch rüber gebracht. Schnell enstand eine knisternde Atmosphäre, die zwischen Manie, Depression, Euphorie und Resignation hin und her schwankte. Wengert konnte die Situation von Lenz nicht nur verbal nachempfinden, auch sein Körper sprach deutlich von Verzweiflung, Angst und Wut. Auch wenn seine Präsenz allein schön genügt hätte um das Publikum in die Lage von Lenz zu versetzen, so richtig plastisch wurden die Szenen erst durch die Cellistin und Schauspielerin Birgit Förstner. Ihr ausgezeichnetes Cellospiel betonte gekonnt jede Gemütslage von Lenz. Mal war es fröhlich, als Lenz strahlend von seinen Reisen berichtet, mal nervig sägend, als er von seinem Sprung aus dem Fenster erzählt.
Ein gelungener Abend, dessen zum Stück passende Stimmung noch durch den auf das Gewächshaus prasselnde Regen verstärkt wurde. Einzig das freudige Trällern der Palmenhausamsel sorgte ab und an für willkommene Ablenkung vom Drama ;-)
Gerüchten zufolge soll es Mitte Oktober zu einer weiteren Aufführung mit Bernd Wengert kommen. Mit dabei ein Rocktrio aus Konstanz. Bin mal gespannt ;-)


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