Jetzt ist es endlich raus. Auch bei Rock am See wacht die Stadt über die Einhaltung des “Lärmpegels”. Da wird kein Auge zugedrückt wenn die Zeiger der Meßgeräte im roten Bereich zucken. Die Folge ist ein Rockkonzert, bei dem man sich in Höhe des Mischpults noch unterhalten kann und ein breiiger Sound.
Der breiige Sound hat aber nichts mit der Lautstärke zu tun, das liegt eher an den überbetonten Bässen, welches heutzutage Standard bei Livekonzerten ist. Die Hörgewohnheiten haben sich verändert. Der Ursprung liegt in der elektronischen Musik, die speziell mit tiefen und dominanten Bässen glänzt. Das ist dort auch problemlos aufgrund der einfachen Trennung der Frequenzen möglich und klingt auch amtlich, ist aber schlecht auf Rockmusik übertragbar. Bei Rockmusik gibt es ein echtes Drum auf der Bühne und meistens stöpselt man die Instrumente nicht direkt ins Mischpult, sondern sie werden per Mikro an den Verstärkern und am Drum abgenommen. Die Amps und das Drum erzeugen bereits auf der Bühne einen relativ undifferenzierten Klangmatsch, der dann durch das überzogene Anheben der Bässe auf der PA zu dem bekannten Brei ausartet.
Das im Groben zum Sound. Die Laustärke ist ja bereits seit ein paar Jahren Thema in Konstanz. Angefangen hat es damit, dass die Lärmschutz-Initiative Konstanz die Stadt intensiv dazu aufgefordert hat, sich an die Gesetze zu halten. Um der Forderung noch mehr Gewicht zu geben, wurden eine zeitlang bei diversen Openair Veranstaltungen Messprotokolle angefertigt, die belegten, dass gegen das Gesetz verstoßen wurde. Die Stadt Konstanz hatte somit keine Chance mehr ein Auge zuzudrücken. Sobald es irgendwo lauter als das Gesetz war, waren die Lärmschützer mit ihren Messgeräten vorort und speicherten die Beweise. Ich behaupte einfach mal, dass dies schließendlich auch zum Aus des Zeltfestivals geführt hat.
Gesetz ist Gesetz. Wir Deutsche sind wahre Spezialisten in der Reglementierung von jedem Furz. Über Sinn und Unsinn des Lärmschutzgesetzes könnte man noch hunderte Zeilen schreiben. Sinnlos. Eines möchte ich aber hier doch noch erwähnen. Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass die Sache mit dem Lärmschutz in Konstanz unterschiedlich ausgelegt wird. Wie sonst kann es sein, dass ein Oktoberfest, ein Seenachtsfest, ein Weinfest etc. unangefochten weiter existieren. Ich bin mir ganz sicher, dass bei jedem dieser Feste die zulässigen Db-Werte zeitweise weit überschritten werden. Warum hört die Stadt bei diesen Volksfesten weg?


Könnte mich eigentlich auch darüber aufregen, wenn das Rock am See nicht bereits wegen dem miesen Lineup für mich bereits seit Jahren tot wäre. Es wird wohl dasselbe Schicksal erleiden wie das Zeltfestival. Ist nicht Schade drum. Es gibt zum Glück genug Alternativen, und die werden immer besser.
Heute in meiner Lieblingszeitung taz:
http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/-caa3728b86/
[...] Konstanz – Ruhe (teilweise) sanft : schwester gaby Rock- und … [...]